Der Name Sinai tauchte bereits früh in hieroglyphischer Schrift, im Alten Testament und im Koran auf. Seine Bekanntheit erlangte die Halbinsel durch die Kupfer-, Mangan- und Türkisvorkommen, die bereits während pharaonischer Zeit abgebaut wurden. Durch den Exodus der Juden, die Flucht der Christen vor der Unterdrückung durch die römischen Besatzer sowie Pilgerfahrten von Moslems aus dem nordafrikanischen Raum nach Mekka erlangte der Sinai Berühmtheit.

Heute gilt die Halbinsel Sinai als kulturelles und religiöses Zentrum welches eine faszinierende Mischung aus Wüstenlandschaft mit Bergen und historischen Stätten bietet. Sowohl für Historiker als auch für Touristen & Urlauber ist der Sinai ein Ort von großer Bedeutung.

Wichtigste Denkmäler und historische Sehenswürdigkeiten

Hathor- und Sopdu Heiligtum in Serabit El-Khadim, hieroglyphische Felsinschriften in Serabit El-Khadim und Wadi El-Maghara sowie die Ruinen von El-Farma, Zitadelle von El-Farma im nordwestlichen Zipfel, nabatäische Felsinschriften an den Handelswegen in El-Thor, im Wadi Hayran, im Wadi El-Nasb, im Wadi El-Hamr, im Wadi Firan, im Wadi Maktab und im Wadi El-Maghara. Römische und byzantinische Denkmäler im St. Catharinen Kloster und im Amra Kloster, im Wadi Firan und in der Zitadelle von Djebel Maghara. Islamische und türkische Denkmäler wie Moscheen und Ruinen einer Zitadelle in El-Thor sowie Ruinen einer Zitadelle in Geziret Pharaon.

Besonders hervorzuheben ist das Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai, das seit dem 6. Jahrhundert existiert und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Es beherbergt eine der ältesten Bibliotheken der Welt mit einzigartigen Handschriften in Griechisch, Arabisch und Syrisch. Auch der Berg Sinai selbst ist für Juden, Christen und Muslime ein heiliger Ort da er mit der Übergabe der Zehn Gebote an Moses in Verbindung gebracht wird.

Geographisches – Landschaft und Klima des Sinai

Die Halbinsel Sinai erstreckt sich über 25 000 Quadratmeilen (40 000 km²). Durch die seismischen Bewegungen, die das Aufreißen des afrikanischen Grabenbruchs begleiteten, entstanden sowohl der Golf von Suez im Westen als auch der Golf von Aquaba im Osten der Halbinsel. Ebenso verdanken die Gebirge des Zentralsinai ihre Entstehung diesem Vorgang. Mit 2642 Metern ist Djebel Katherin die höchste Erhebung. Beste Reisezeit für den Sinai sind Oktober/November und Februar bis Mai.

Die Landschaft des Sinai ist äußerst vielfältig: Von schroffen Granitbergen über weitläufige Wüstenplateaus bis hin zu den Küstengebieten am Roten Meer und Mittelmeer. Während der Süden durch zerklüftete Gebirgszüge geprägt ist, finden sich im Norden fruchtbare Ebenen und Oasen die seit Jahrtausenden als Lebensgrundlage für die Bevölkerung dienen.

Das Klima ist wüstenartig – heiße Sommer, milde Winter, große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Regen fällt nur selten, jedoch sorgt er in den Bergen für Wasserquellen, die für die Beduinenstämme überlebenswichtig sind.

Beduinen im Sinai – Lebensweise und Traditionen

Im Sinai leben insgesamt 1 Million Beduinen. Mehrere arabische Stämme sind ansässig: Es-Sawaryka im Nordsinai (die wohlhabensten), und El-Mezina im Südsinai (beide aus Jordanien und Saudi-Arabien, jeweils 400 000 Zugehörige). Weitere Gruppen sind die Tharabin, Aulid Said, El-Olaykat, El-Sawalha und El-Gebelya (aus Griechenland), die insgesamt 200 000 Menschen umfassen.

Die Beduinen im Sinai leben traditionell in Zelten aus Kamelwolle, deren Eingang nach Osten ausgerichtet ist. Kamele waren für sie das wichtigste Verkehrs- und Transportmittel, werden in ihrer Bedeutung aber langsam von geländegängigen Fahrzeugen abgelöst. Ihre Schafherden weiden in Tälern mit Wasserquellen und werden je nach Futterangebot der Wiesen von einer Stelle zur anderen getrieben.

Landwirtschaft und Ernährung

Im Regenfeldbau kultivieren sie Datteln, ein wenig Gemüse sowie Honig- und Wassermelonen. Im Norden sind die Niederschläge ergiebiger als im Süden, daher ist dort ein intensiverer Anbau möglich. Die Beduinen betreiben auch Jagd und Fischerei; die Fische werden getrocknet und so lange haltbar gemacht.

Begrüßungsrituale und gesellschaftliche Regeln

Zur Begrüßung geben sich männliche Beduinen nicht die Hand, sondern fassen sich gegenseitig an die Schulter. Trifft ein Beduine eine verwandte Beduinenfrau, so neigt er sich zu ihr und bietet ihr seine Stirn zum Küssen. Dieses Ritual symbolisiert Respekt und familiäre Verbundenheit.

Heirat und Familienstrukturen

Die Beduinen verheiraten ihre Töchter sehr früh und innerhalb der Familie. Die erste Wahl ist dabei die Cousine der Vaterseite. Wird das Heiratsangebot des Bräutigams vom Brautvater akzeptiert, reicht dieser ihm einen grünen Zweig.

Moderne Veränderungen im Leben der Beduinen

Obwohl die Beduinen seit Jahrhunderten eine nomadische Lebensweise pflegen, haben sich in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen ergeben. Der Tourismus im Sinai hat dazu geführt, dass manche Beduinen zusätzlich Einkünfte als Fremdenführer, Kameltreiber oder Händler erzielen. Besonders in den Orten Dahab, Sharm El-Sheikh und Nuweiba bieten Beduinen Touristen Ausflüge in die Wüste, traditionelle Teestunden und handgefertigte Waren an.

Zudem ziehen immer mehr Beduinenfamilien in feste Siedlungen, um Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung zu haben. Dennoch bleiben viele ihrer Traditionen erhalten – sei es in der Gastfreundschaft, den Bräuchen oder der engen Verbindung zur Wüste.

Bedeutung des Sinai für Religion, Geschichte und Tourismus

Der Sinai ist ein Schmelztiegel aus Kulturen, Religionen und Lebensweisen. Die Halbinsel verbindet Afrika und Asien, Wüste und Meer, Vergangenheit und Gegenwart. Für Touristen bietet sie spektakuläre Naturerlebnisse: Tauchen im Roten Meer, Wanderungen in den Bergen oder Begegnungen mit den Beduinen. Gleichzeitig ist sie für Gläubige ein heiliger Ort und für Historiker eine Fundgrube an archäologischen Schätzen.

Sinai und Beduinen – zwischen Tradition und Moderne

Die Halbinsel Sinai beeindruckt durch ihre landschaftliche Vielfalt, ihre jahrtausendealte Geschichte und die Kultur der Beduinenstämme, die hier leben. Während uralte Monumente von der Vergangenheit erzählen, prägen die Beduinen mit ihren Bräuchen und ihrer Anpassungsfähigkeit das heutige Leben. Der Sinai bleibt ein Ort, an dem Geschichte, Religion und Tradition aufeinandertreffen und bis heute faszinieren.